Trauern ist Liebe

Ich habe überlegt, ob ich einen Text mit diesem Thema verfasse und bin zu dem Schluss gekommen es zu tun. Gut ist, dass immer mehr Tabu-Themen inzwischen offener besprochen werden.

Ein Tabuthema in unserem Leben ist der Tod. Der Tod ist das Einzige, was uns nach der Geburt sicher ist und doch meiden wir es darüber nachzudenken oder zu sprechen. Mein über alles geliebter Vater ist am 18. Oktober 2019 aus seinem Körper rausgeschlüpft und ‚gestorben’ oder ‚geboren’, wer weiss das schon? Am 07.10.2020 (also letzten Mittwoch) ist mein Ayurveda-Arzt, der auch auf eine Art eine Vaterfigur für mich war verstorben. So werde ich momentan an die Vergänglichkeit des Lebens sehr erinnert. 

Wir haben alle unsere eigene Vorstellung davon, was dann kommt. Der eine sieht es rational und will gar nicht daran denken, dass es villeicht mehr gibt als unser kleiner menschlicher Verstand bereit ist zu verstehen. So, nun steh ich da in meinem Leben und mein Papa ist nicht mehr da, wo ich ihn gerne haben möchte. Ich höre sein Lachen nur noch in mir, sehe sein liebevolles Gesicht nur noch vor meinem inneren Auge, höre seine Stimme auch nur innerlich für mich, wenn ich ganz still werde und mich versuche mit ihm zu verbinden. Der Tod eines geliebten Menschen lässt einen erschüttern, egal wie spirituell man ist, egal wieviel man meditiert und sich des unendlichen unsterblichen Bewusstseins bewusst ist, denn das menschliche in uns kommt dann natürlich auch zum Vorschein und will beachtet werden. Es ist tiefe Trauer in mir, die einen unbeschreiblichen Schmerz hervorruft und je mehr ich mich dagegen wehre, umso stärker wird es. Gebe ich mich hin und lasse meine Tränen fließen und gehe mütterlich mit mir selber um, dann merke ich, dass meine Trauer nichts als Liebe ist. Ganz viel Liebe. Und dieses tiefe Gefühl von Liebe lässt sich auch genau in solcher zum Ausdruck bringen. So bin ich der Meinung, dass all diese Dinge, die uns im Leben widerfahren ein Weg zur Liebe sind, jede Erfahrung darf man als Stufe zu noch mehr Liebe anerkennen. Auch die schmerzvollen, die unser Ego nicht im Leben haben will. Das Universum macht keine Fehler, wir befinden uns immer und zu jedem Zeitpunkt in der Fülle, wenn wir bereit sind unsere Augen und Herzen aufzumachen und das so wahrzunehmen. Trotzdem ist dieser trübe graue Himmel und diese Tristesse etwas, was mich schwer die Sonne sehen lässt und dennoch ist sie ja da – hinter den Wolken. Genau so ist es mit uns, in uns…unsere Glückseligkeit ist immer da, auch wenn wir darüber die trüberen Dinge tragen, die den Blick manchmal versperren. Warum ändern wir nicht einfach den Blickwinkel. Es ist egoistisch an einem Menschen, der das Glück hatte zu sterben festzuhalten. Wir wissen im Mutterleib nicht im Geringsten, was auf uns zukommt, wenn wir den Geburtskanal, die Enge durchqueren. Dunkel, eng, ohne Sauerstoff kommen wir da klar und müssen da durch, um geboren zu werden. Und dann ist da plötzlich das Leben und wir müssen Atmen. Welch menschliche Arroganz zu denken, dass Sterben schlimmer sei als geboren zu werden. Alles zu seiner Zeit. Das ist so, das Leben gibt und nimmt und hat für alles sein Timing.